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Malteser Dortmund

Mann der ersten Stunde - Gerhard Scholz für 44 Jahre in Diensten der Malteser geehrt

Vor fast einem halben Jahrhundert begann Gerhard Scholz für die Malteser zu arbeiten. Seither hat sich viel verändert, aber Scholz ist der katholischen Hilfsorganisation treu geblieben. Für 44 Jahre Dienstzugehörigkeit wurde er jetzt im Rahmen einer Feierstunde geehrt und in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.

04.12.2018
Malteser Diözesangeschäftsführer Andreas Bierod (l.) und Bezirksgeschäftsführer Siegfried Krix (r.) ehrten Gerhard Scholz und verabschiedeten ihn in den Ruhestand. Foto: Frank Kaiser

Gerhard Scholz, Jahrgang 1955, ist gebürtiger Dortmunder. Seit 19 Jahren lebt er jetzt zusammen mit seiner Frau in Menden. An seinen ersten Arbeitstag beim Malteser Hilfsdienst in Dortmund erinnert er sich gerne zurück: Das war am 1. April 1973. „Damals war ich der jüngste Erste Hilfe-Ausbilder der Malteser in Deutschland.“ Mit einer Sondergenehmigung der Malteser Zentrale in Köln durfte er ungewöhnlich früh seinen Ausbilderschein machen. Schon mit 17 Jahren brachte er Schülerinnen und Schüler Kenntnisse in der Ersten Hilfe bei. Zuvor hatte er eine Ausbildung zum Bauschlosser gemacht – ein Beruf, in dem er genau drei Tage arbeitete, bevor er zu den Maltesern wechselte und dort seine Lebensberufung fand. Da er schon einige Jahre im Malteser Ehrenamt aktiv war, war das ein „nahtloser Übergang“, wie er heute sagt.

„Damals waren die Malteser Dortmund noch in der Silberstraße 26 ansässig, im ehemaligen Kolpinghaus. Die Breitenausbildung in Erster Hilfe und der zivile Bevölkerungsschutz standen damals ganz im Fokus. Schließlich hatten wir uns das als Gründungsauftrag 1954 auf die Fahne geschrieben.“ Auch als dann ab Mitte der 1970er Jahre über den Aufbau eines Rettungsdienstes und Krankentransports in Dortmund nachgedacht wurde, war Gerhard Scholz ein Mann der ersten Stunde – und 1975 einer der ersten Rettungssanitäter im gesamten Erzbistum Paderborn. Mit dem allerersten Rettungswagen – Funkrufname „Johannes Dortmund 1“ – hat er seither so manches Leben gerettet.  „Das war anfangs noch richtige Muskelarbeit“, schmunzelt er heute. „Das heißt: kein moderner Tragestuhl mit Treppenführungssystem und keine elektrohydraulische Trage, um den Patienten rückenschonend in das Fahrzeug zu befördern.“

Karriere im Rettungsdienst

Auch seitens der Diözesanleitung wurde man auf den talentierten jungen Mann aufmerksam. So wurde er beauftragt, die Malteser Dienststelle in Schwerte aufzubauen. Ganze 18 Jahre, von 1981 bis 1999, leitete er die Dienststelle. Anschließend zog es ihn vom Schreibtisch in den aktiven Rettungsdienst nach Dortmund zurück. Als Leiter der Wache in Dortmund-Brackel und als Vorsitzender der Mitarbeitervertretung arbeitete er bis heute. 

Wie es bei den Maltesern keine Seltenheit ist, engagierte sich Gerhard Scholz zusätzlich noch im Ehrenamt. Besonders prägend war für ihn das Jahr 1977, als er sich zu seinem ersten Auslandseinsatz aufmachte – nach Bukarest, Hauptstadt Rumäniens im Süden des Landes, das von einem Erdbeben heimgesucht worden war. Über ein Jahrzehnt sollte vergehen, bis der nächste Ruf folgte. 1990, die Sowjetunion war Geschichte, rief die Bundesregierung die Initiative „Russland hungert“ ins Leben. Aus der Malteser Zentrale in Köln kam denn auch der Ruf nach Unterstützung aus dem Erzbistum Paderborn. Ein Hilfskonvoi sollte schon morgen aufbrechen. Gerhard Scholz war sofort Feuer und Flamme, doch hatte er zu dieser Zeit nicht den benötigten Reisepass. Der damalige Dortmunder Stadtbeauftragte Erwin Edler besorgte ihm einen binnen zwölf Stunden.

„Wir wussten nicht, was da auf uns zukommt“

Und so leitete Gerhard Scholz schon einen Tag später den ersten Hilfskonvoi in die Ukraine. 36 Fahrzeuge umfasste die Aktion. „Wir wussten nicht, was da in der Region Korosten im Norden des Landes auf uns zukommt. Daher hatten wir nicht nur bis unter das Dach mit Hilfsgütern beladene LKW dabei, sondern auch eine Feldküche, zwei Ärzte, einen Krankenwagen und mehrere Mannschaftstransporter.“ Was Gerhard Scholz damals ebenfalls noch nicht wusste: Dieser Hilfstransport sollte die Initialzündung sein für eine jahrzehntelange Partnerschaft zwischen den Maltesern in Schwerte und vielen Städten der heutigen Ukraine. Auch die Partnerschaft mit der Stadt Kovel hatte hier ihren Ursprung. Seither war Gerhard Scholz 20-mal vor Ort, hat immer wieder Hilfskonvois geleitet. „Krankenhausbetten, Hygieneartikel, chirurgische Instrumente – das sind Güter, die dringend vor Ort gebraucht werden, und das bis heute.“

Kaum in Schwerte zurück, nicht mal sechs Wochen später, ging es für 3 ½ Wochen in den Irak, zur Unterstützung der kurdischen Minderheit. Im Auftrag der Vereinten Nationen betrieben die Malteser dort ein Flüchtlingslager. Als Mitglied der technischen Einsatzleitung stellte Gerhard Scholz in einem provisorischen Krankenhaus die Gesundheitsversorgung vieler Menschen sicher, die innerhalb des Iraks auf der Flucht waren. Dieses herausragende Engagement im Auslandsdienst blieb nicht unbeachtet: Im Juni 1996 zeichnete ihn Bundespräsident Roman Herzog mit dem Bundesverdienstkreuz aus. Auch die Liste seiner Verdienstmedaillen bei den Maltesern ist lang. 2011 erhielt er die höchste Ehrung, die im Malteser Hilfsdienst verliehen wird: die Verdienstplakette in Gold.

Großes Lob der Geschäftsführung

Heute ist der Arbeitsmarkt auch im Rettungsdienst flexibler geworden. Viele Berufseinsteiger können sich gar nicht mehr vorstellen, ihr Leben lang in einem einzigen Job zu bleiben. Dadurch kann einem Arbeitgeber ein wichtiges Gut verloren gehen – Identifikation. „Du hast fast ein halbes Jahrhundert lang den Leitspruch des Malteser Ordens, Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen, Tag für Tag mit Leben gefüllt. Dafür, und für deine Treue zu unserem Malteser Hilfsdienst, danken wir dir von Herzen“, würdigte ihn Siegfried Krix, Bezirksgeschäftsführer Westfalen-Lippe, bei einer Feierstunde im Restaurant Denkma(h)l!, der Malteser Lehr- und Trainingsgastronomie in Hamm. Krix ist überzeugt: „Es lohnt sich, erfahrene und engagierte Mitarbeiter wie Gerhard Scholz zu halten.“

Gerhard Scholz blickt auf ein langes und erfülltes Berufsleben zurück. Und was seine langjährigen Weggefährten besonders freut: Im November 2018 kann er bei bester Gesundheit in den Ruhestand gehen und sich seinem großen Hobby, der Holzgestaltung, widmen.

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